View Single Post
Old Mar 6 2018, 01:28 PM   #5
Rao
Junior Member
Muskie
 
Join Date: Feb 2018
Location: Germany

Fan of: The whole Pern-Series
Now Reading: Apollo´s Song by Osamu Tezuka
Default Re: Deutsche Fantasie-Autoren

Als deutscher Fantasy-Liebhaber kommt man um den Klassiker Wolfgang Hohlbein nicht herum. Sein bestes Werk ist zweifellos die Hexer-Serie, die um das Jahr 1883 herum angesiedelt sind, mit starken Anleihen bei Lovecraft (die "Großen Alten", Cthulhu etc.), aber mehr actionbetont, und in dem - in Vorwegnahme von Steampunk & Co. - sowohl literarische Figuren (Kapitän Nemo, Frankenstein und andere) als auch ein paar historische (Buffalo Bill) auftreten. Da der Ursprung in Groschenromanheften lag, wo er sich wegen der Seitenbegrenzung kurz fassen mußte, sind diese Geschichten knackig vollgepackt mit Action, gar nicht so langwierig wie spätere längere Romane, wo auf den ersten 450 Seiten gepflegte Langeweile herrscht und er erst auf den letzten 50 Seiten so richtig zur Sache kommt, eine "Krankheit" an der leider mehr Fantasy-Autoren leiden (besonders schlecht: "Die Moorhexe", hat mir gar nicht gefallen). Da bei der Ausarbeitung der ursprünglichen Romanhefte für eine Wiederauflage in längerer Taschenbuchform auch ein paar Sachen herausgestutzt wurden, ist es für Komplettisten ratsam, sich die Original-Heftromane zum Vergleich mit den späteren Erscheinungen zu besorgen (der genannte Buffalo Bill etwa wurde herausgestrichen, da nicht storytragend).
Hohlbein hat noch zahlreiche weitere Fantasyserien und Einzelromane verfaßt, von denen etliche wie die Enwor-Serie (Fantasy lange nach einem großen Atomkrieg...) und die "Chronik der Unsterblichen" (kreuzt "Highlander" mit Vampirmythen) absolut lesenswert sind. Den Roman "Kreuzfahrt" (ein zum Kreuzfahrtschiff umgebauter ehemaliger Kriegstransporter "erinnert" sich an die letzten Kriegstage...) finde ich bis heute schaurig gruselig.
Oder "Giganten", in dem eine uralte Macht die Kunstdinosaurier in einem Vergnügungspark zum Leben erwachen läßt.
Hohlbeins unverkennbarer Schreibstil ist übrigens definitiv ansteckend für Jungautoren, die zu viel von seinen Werken intus haben
Rao is offline   Reply With Quote